Kath. Pfarrei St. Englmar
Höchstgelegene Pfarrei im Bistum Regensburg

Kapelle Weiße Marter

Quelle:
Sankt Englmarer Heimatbogen, Heft 3, ergänzt durch Forschungsergebnisse von Josef Eidenschink, Meinstorf

Örtlichkeit:
Die Kapelle steht neben der Straße nach Mitterberg am Rundwanderweg 2.

Entstehung:
Ursprünglich war wohl ein Bildstock (Beispiel) aufgerichtet worden, der möglicherweise mit seinem hellen Stein zur Namenfindung führte. Das könnte im oder nach dem Jahr 1634 gewesen sein, als Pater Urban Mittermayr, Windberger Chorherr und Pfarrer, auf der Flucht vor den Schweden zum beschützenden Kloster Windberg an dieser Stelle am 23. März 1634 zu Tode gekommen sein soll. Über die erste, hölzerne Kapelle gibt es nur vage Informationen: 1656 sollen an dieser Stelle fromme Bauersleute ein Kapellchen errichtet haben. Sicher ist jedoch, dass 1857 eine Feldkapelle bestanden hatte. Ob aus Holz oder Stein errichtet, geht aus dem gefundenen Bericht im "Kalender für katholische Christen" nicht hervor. Wahrscheinlich ist sie nur wenige Jahre zuvor errichtet worden. Die Familie Eidenschink, Meinstorf hatte 1851 die dortige Flur käuflich erworben und aus der Familientradition und Aussage von Frau Agnes Edbauer, Kager ist bekannt, dass die Familie Edbauer in den Jahren 1851 Wolfgang Eidenschink von Meinstorf gefragt hat, ob sie auf seinem Grundstück eine Kapelle zu Ehren des seligen Engelmar erbauen dürfe. Anlass hierfür war, dass beim Bau eines Wohnhauses mit Stall der Familie Edbauer kein Unglück geschah und es dem Vieh im Stall Wohlergehen bringen solle.

Der erste Kapellenbau war vermutlich aus Holz, da um das Jahr 1866 von der Familie Edbauer eine steinerne Kapelle gebaut wurde. Es ist auch jenes Jahr, in dem die acht Legendentafeln im Auftrag der Familie Edbauer von Johann Michael Kohl aus Kollnburg entstanden. Die originalen Vorzeichnungen dieser Tafeln befinden sich in Besitz der Familie Edbauer, Kager (siehe nachstehende Abbildungen).

1961 wurde die alte Kapelle abgerissen und der heutige Bau von Baumeister Hans Schuhbauer, Bogen, kostenlos errichtet. Die Steine stellte Josef Eidenschink zur Verfügung. Die Fenster spendierte Herr Doktor Klimesch aus Schwarzach.
Die Kapelle wurde bis zum Neubau 1961 von der Familie Edbauer, später auch Stieglbauer, Mitterberg betreut. Danach übernahm die Fördervereinigung bzw. Pfarrei St. Englmar die Betreuung, die vor Ort von der Familie Stieglbauer, Mitterberg ausgeübt wird.

1972 wurden 8 Legendentafeln gestohlen. Durch einen glücklichen Zufall wurden sie 1990 von der Kriminalpolizei entdeckt, zurückgebracht und in der Pfarrkirche platziert. Die Ersatz-Legendentafeln schuf im Auftrag von Pfarrer Wilhelm Bunz der Kunstmaler Franz Fischnaller. Diese wurden 1985 wiederum gestohlen. Hans Kolbeck, Klingldorf schuf danach die jetzigen Hinterglasbilder.

Nutzung:
Andachtsstätte für Wanderer. Ziel eines jährlichen Bittgangs. Erinnerung an das Leben des seligen Engelmar.

Nachstehend die 1972 aus der Kapelle gestohlenen 8 Legendentafeln (jetzt in zwei Rahmen in der Pfarrkirche).

 Nachfolgend die 2017 bei der Familie Edbauer in Kager entdeckten 8 Vorzeichnungen zu den Legendentafeln.
Die 9. Zeichnung wurde offensichtlich nicht weiter verwendet.

Texte auf den 8 Vorzeichnungen
 I. Wie Adalbert von Bogen im Jahr 1086 mit seinem Gefolge den hl. Englmar Bauersman von Passau hierher sendet.
II. Wie sich der hl. Engelmar mit Erlaubnuß des Grafen Adalbert eine Zelle erbaut.
III. Wie der Knecht des Grafen Adalbert dem hl. Englmar täglich Speis bringen muss.
IIII. Aus Haß gegen den hl. Englmar tödet der Knecht Jhn mit einem Handbeile im Jahr 1100.
V. Wie der Mörder den Leichnam des hl. Englmar in ein Gebüsch versteckt.
VI. Der Hund des Jägers komt auf die Spur des Leichnams vom hl. Englmar.
VII. Die hohe Geistlichkeit und der Graf mit seinem Gefolge enthüllen den hl. Leichnam.
VIII. Der hl. Leichnam wird mit 2 Ochsen auf den Platz gefahren wo jetzt die Pfarrkirche Englmar steht.

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